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Weihnachtsmarkt

Oh diese Einkäufe!
Wie immer zu spät, als ob das Jahr nicht zwölf Monate hätte...
So plötzlich geht es wieder auf Weihnachten, und dir fehlen noch so viele Geschenke!
Jetzt kommt zu dem täglichen Stress auch noch der Zeitdruck, weil du einfach keine Idee hast. Du gehst durch die Innenstadt, rennst an den Schaufenstern vorbei, auf der Suche nach dem rettenden Artikel. Warum nur hast du dich wieder nicht rechtzeitig gekümmert? Nächstes Jahr wird das aber bestimmt anders! Die Menschheit hat doch in ihrer Geschichte so vieles gelernt. Warum nur du nicht? An der nächsten Straßenecke beginnt der Weihnachtsmarkt. Ob du vielleicht dort die rettende Anregung bekommst? Oder wenigstens eine Kleinigkeit, ein Mitbringsel?
Na ja, auf die zehn Minuten kommt es jetzt  auch nicht mehr an, also hinein in
das Geschiebe. Einen Glühwein gegen die kalten Füße, einen Kakao mit Schuss –

und plötzlich ist da diese Tür, mitten im Weg. 

Du gehst einfach hindurch, ohne Neugier, ohne Fragen. Langsam verändert sich alles: Das Karussell wird ganz groß, die Buden auch. Das Klimpern des Geldes ist verschwunden und du hörst die alten Weisen deiner Kindheit. Ein großer alter Mann mit rotem Mantel schenkt dir einen Apfel und du schaust ihn erstaunt an. Du siehst die blitzenden Augen und den grauen Bart, und schon ist er verschwunden und lässt dich selig lächelnd zurück.
Selbstvergessen und staunend siehst du all die bunten Dinge deiner Kindheit wieder, als erlebtest du es jetzt gerade zum ersten Mal. Du gehst weiter und weiter, der Markt ist riesengroß! Alles will gar kein Ende nehmen – die Gassen, die Buden, die großen Menschen. 

Eine angelehnte Tür siehst du, du gehst einfach hindurch.

Auf der anderen Seite ist es laut, du kannst gerade noch vor den hupenden Autos stehen bleiben. Alles hat wieder die gewohnte Größe, der Pizzaverkäufer mit den Ringen unter den Augen macht seinen Umsatz und alles riecht nach Kommerz und Trubel.

Aber du schaust auf den Apfel in deiner Hand und weißt plötzlich, worauf es
Weihnachten wirklich ankommt . . . . . .


 

© Axel Richter, 24.12.2009